Energie folgt der Aufmerksamkeit

Dr. Daniel Köpke
Energie folgt der Aufmerksamkeit

In dieser Folge geht es um eine Grundannahme im NLP: „Energie folgt der Aufmerksamkeit." Vielleicht kennst du es auch aus spirituelleren Kontexten als das Gesetz der Anziehung.

Der Kampf der zwei Wölfe

Dahinter steht ein Gedanke, der für mich am deutlichsten in einer bekannten Geschichte wird: Ein alter Cherokee-Häuptling sitzt mit seinem Enkel am Lagerfeuer. Der Häuptling fasst zusammen: „In jedem von uns tobt ein Kampf zwischen zwei Wölfen. Der eine Wolf ist dunkel – er steht für Angst, Zweifel, Wut, Gier und Hoffnungslosigkeit. Der andere Wolf ist hell – er verkörpert Freude, Liebe, Mut, Mitgefühl und Zuversicht." Der Junge fragt: „Welcher Wolf gewinnt?" Darauf der Häuptling: „Der, den du fütterst."

Oder wie es in einem indianischen Sprichwort heißt: Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

Worauf du achtest, wird stärker

Worauf auch immer du deine Aufmerksamkeit richtest, das wird mehr. Wenn ich dich fragen würde „Wie geht's dir?" und du antwortest „ganz gut" – dann gibt es in dir offenbar zwei Anteile: einen, dem es gut geht, und einen, dem es besser gehen könnte. Wie ich auf dieses „ganz gut" reagiere, lenkt das Gespräch in eine entsprechende Richtung und beeinflusst, welchen Wolf ich füttere.

Wie dein Gehirn funktioniert

Eine Metapher von Vera F. Birkenbihl: Stell dir das Gehirn wie einen Wachsblock vor, über den heiße Tinte läuft und Rillen zieht. Je mehr Tinte durch eine Rille fließt, desto tiefer wird sie – und desto mehr Tinte läuft wieder durch sie. Je mehr positive Gedanken du denkst, desto mehr gewöhnst du deinem Gehirn an, automatisch positive Gedanken zu produzieren.

Studien zeigen: Schon das Einnehmen einer Power-Pose für 2 Minuten lässt den Cortisolspiegel messbar sinken und den Testosteron-Spiegel steigen. Regelmäßige Dankbarkeitspraxis hinterlässt sogar strukturelle Veränderungen im Gehirn.

1000 Ressourcen

Die stärkste Veränderung, die ich in dieser Hinsicht erlebt habe, war durch eine Übung aus dem NLP: die „1000 Ressourcen". Eine Ressource ist etwas, das einen gewünschten Unterschied macht – etwas, das etwas zum Positiven verändert. Wenn ich eine blöde Situation mit Humor betrachte und sie dadurch erträglicher wird, ist Humor in dieser Situation eine Ressource.

Chunking

Die einfachste Technik, Ressourcen zu finden, nennt sich Chunking – in drei Varianten:

Die Übung macht man schriftlich. Selbst wenn du alle 3 Sekunden eine Ressource aufschreibst, sind das 50 Minuten – eine ganze Stunde lang nur Positives aufschreiben.

Was diese Übung bewirkt hat

Ich habe mir ein leeres A4-Buch gekauft und jeden Morgen so lange Ressourcen gechunkt, bis 100 beisammen waren. Der Effekt war enorm. Ich bin wie auf Drogen durch mein Leben gelaufen. Jeden Morgen so in den Tag zu starten hat mir so viel Energie und Dankbarkeit gegeben, dass jeder Sonnenstrahl, jedes pünktliche kommen der S-Bahn, jedes freundliche Lächeln zur spürbaren Ressource wurde. Anfangs brauchte ich fast eine Stunde für meine 100 Ressourcen. Nach drei Monaten nur noch 10–15 Minuten.

Was hat das mit Beziehungen zu tun?

Stell dir vor, du strotzt innerlich vor Ressourcen – und plötzlich kommt ein Kollege, der dich wegen einer Kleinigkeit anmault. Wie viel empathischer, liebevoller und freundlicher könntest du dann reagieren? Du würdest ihm viel leichter eine positive Absicht unterstellen, seine Bedürfnisse besser hören und klarer sagen, was dir wichtig ist.

Wenn dein Partner versucht, einen Streit anzufangen – wie viel wertschätzender und flexibler könntest du damit umgehen, wenn dein emotionaler Zustand so stabil ist, dass alte toxische Muster einfach nicht mehr greifen?

Alles beginnt mit einem positiven Zustand. An deinem guten Zustand regelmäßig zu arbeiten ist das größte Geschenk, das du deinen Mitmenschen machen kannst.

Du bist kein Akku

Viele Menschen glauben, sie hätten einen inneren Akku, den Beziehungen auf- oder entladen. Ich sehe das anders. Ob der Akku voll ist, hängt weniger von anderen Menschen ab, sondern davon, in welche Steckdose du deinen Stecker normalerweise steckst: in die Auflade- oder die Entlade-Steckdose. Die Ressourcen sind im Grunde immer da. Du musst dir nur angewöhnen, hinzuschauen.

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