Es gibt keine Fehler, nur Feedback
Die Grundannahme dieser Folge lautet: „Wenn du etwas tust und es funktioniert nicht, dann tue etwas anderes." Manchmal heißt es auch: „Es gibt keine Fehler – es gibt nur Feedback." Es geht darum, den Effekt der Kommunikation in den Vordergrund zu rücken – und weniger das Ziel und die Absicht. Denn ob Kommunikation gut ist, misst sich selten an der Absicht dahinter, sondern daran, ob sie zu dem führt, was du willst.
Der Marktplatz der Bedürfnisse
Stell dir eine Beziehung wie einen Marktplatz vor – einen Ort, an dem Menschen wertvolle Dinge tauschen. Nur dass auf diesem Marktplatz nicht Gewürze und Teppiche gehandelt werden, sondern Bedürfnisse. Bedürfnisse können so etwas sein wie:
- Aufmerksamkeit, Bestätigung und Zuwendung
- Gefühle wie Verliebtheit, Verbundenheit, Geborgenheit oder Sicherheit
- Erfahrungen wie Abenteuer, Wachstum oder ein Kind großzuziehen
- gesellschaftlicher Status oder eine bestimmte Außenwirkung
- Sex, als Gelegenheit zur Fortpflanzung oder aus reinem Vergnügen
- emotionale, praktische oder finanzielle Unterstützung
Im Gegensatz zum echten Marktplatz gibt es in Beziehungen kein Universal-Tauschmittel wie Geld. Es gibt nur Tauschhandel: Jeder hat etwas anzubieten und braucht dafür etwas anderes.
Bedürfnisse und Grenzen
In Beziehungen handelt man mit der Erfüllung von Bedürfnissen. Grenzen sind quasi Bedürfnisse auf dem Kopf. Die meisten Grenzen lassen sich auch als Bedürfnisse formulieren: Hinter dem Wunsch, nicht vor den Kindern zu streiten, kann ein Bedürfnis nach Harmonie stehen. Hinter dem Verbot von Freundschaften zum anderen Geschlecht kann ein Bedürfnis nach Sicherheit stecken.
Konflikte
Der Beziehungspsychologe John Gottman hat festgestellt: Beziehungen, in denen mindestens 5-mal mehr positive als negative Interaktionen stattfinden, sind mit großer Wahrscheinlichkeit langfristig stabil. Das heißt: Auf jeden Konflikt sollten mindestens 5 erfolgreiche Bedürfnis-Transaktionen folgen.
Doch gerade im Konflikt tun Menschen oft genau das, was am wenigsten hilft: mehr von demselben, das schon nicht funktioniert hat – nur lauter und doller. Und das verschärft den Konflikt in aller Regel weiter.
Das Bitte-Nein-Spiel
Die Standard-Antwort auf die Frage, ob wir einander Bedürfnisse erfüllen können, ist in einer neuen Beziehung oft: „Nein." Menschen sind nicht ohne Weiteres bereit, die Bedürfnisse anderer zu erfüllen – denn jede Bedürfniserfüllung kostet Ressourcen. Wenn die direkte Bitte deine einzige Strategie ist, wirst du in Beziehungen oft enttäuscht sein. Du brauchst die Fähigkeit, ein Nein in ein Ja zu verwandeln.
Überzeugungsstrategien
Es gibt viele Strategien, mit denen Menschen ein Nein in ein Ja verwandeln – von Freundlichkeit über Mitleid und Verführung bis hin zu Direktheit und Transparenz. Sogar offene, rationale Kommunikation ist eine Strategie: Wenn du klar sagst, was du willst und warum, verringert das bei vielen Menschen die Abwehrhaltung.
All diese Strategien haben einen gemeinsamen Haken: Ihr Erfolg hängt davon ab, dass man den anderen kennt und einschätzen kann. Eine Überzeugungsstrategie funktioniert nur, wenn sie eines der Bedürfnisse des Gegenübers erfüllt. Und wenn ein Angebot auf taube Ohren stößt, ist das Feedback: Ich habe die Bedürfnisse meines Gegenübers noch nicht richtig verstanden.
Interessiere dich für andere
Wenn du gute Beziehungen führen willst, kommst du nicht darum herum, dich für die Bedürfnisse anderer zu interessieren. Wenn ich in Beziehungen nicht bekomme, was ich will, gebe ich dem anderen womöglich nicht, was er braucht. Und die wichtigste Voraussetzung ist: Ich muss verstehen, was der andere wirklich braucht.
Emotionen sind zuverlässigere Anzeigeinstrumente für unerfüllte Bedürfnisse als das, was jemand sagt. Meine Faustformel: Wenn die emotionale Reaktion auf einer Skala von 1 bis 10 über 7 liegt, geht es inhaltlich normalerweise um etwas anderes als um das, worum geredet wird. Dann hilft die Frage: „Sag mal, worum geht es eigentlich wirklich?"
Gib anderen, was du willst
Neil Donald Walsch hat in „Gespräche mit Gott" eine Antwort gegeben: Wenn du von anderen etwas willst, gib das zunächst anderen.
- Wenn du erfolgreich sein willst, hilf anderen dabei, erfolgreich zu werden.
- Wenn du Liebe willst, liebe andere so, wie du geliebt werden willst.
- Wenn du Sicherheit willst, vermittle anderen genau diese Sicherheit.
Der Effekt ist: Wenn du anderen das gibst, was du selbst willst, wirst du die Erfahrung machen, dass du das, was du willst, längst hast. Denn wenn du es nicht hättest – wie könntest du es anderen geben?
Wenn das, was du versuchst, nicht funktioniert: Mach etwas anderes.