Konversation leicht gemacht

Dr. Daniel Köpke
Konversation leicht gemacht

Die ultimative Smalltalk- und Konflikt-Strategie, abgeleitet aus dem „Wheel of Consent".

Um gute Beziehungen zu führen, gibt es eine Fähigkeit, die absolut unumgänglich ist – und doch bei so vielen Menschen unbeliebt: Smalltalk. Smalltalk ist ein Beziehungsgespräch ohne wichtigen Inhalt. Es dient einer sozialen Funktion: Wir prüfen, oft unbewusst, ob wir der anderen Person vertrauen können.

Ist Smalltalk angeboren oder erlernbar? Meine Erfahrung sagt: erlernbar. Die Strategie lässt sich eindeutig beschreiben.

Wheel of Consent

Die Strategie basiert auf einem Modell der Sexualtherapeutin Dr. Betty Martin: dem Wheel of Consent. Es teilt Beziehungsinteraktionen in vier Quadranten ein: Geben, Empfangen, Nehmen und Erlauben. Übertragen auf Kommunikation bedeutet das: Du kannst entweder über dich oder über den anderen reden – und du kannst Informationen entweder senden (aktiv) oder einholen (passiv).

Komplimente (= Geben)

Komplimente entsprechen dem „Geben"-Quadranten: Du ergreifst aktiv die Initiative und sagst etwas über den anderen. Meine Empfehlung: Sag etwas Nettes. Damit meine ich keine plumpen Kommentare über das Äußere, sondern Komplimente über Charaktereigenschaften:

Wichtig: Mach nur Komplimente, die du wirklich ernst meinst. Auswendig gelernte Floskeln werden dein Gegenüber eher misstrauisch machen. Nutze Komplimente als Suchfilter: Was schätzt du wirklich an dieser Person?

Selbstoffenbarungen (= Nehmen)

Wenn es dir schwerfällt, Komplimente zu machen – oder dein Gegenüber sie schwer annimmt – kannst du ein bisschen von dir erzählen. Teile Werte, Einstellungen, Ziele und Grenzen mit:

Markiere deine Selbstoffenbarung sprachlich als solche: „in meiner Welt …", „ich habe die Erfahrung gemacht …". Formulierst du Einstellungen als absolute Tatsachen, provozierst du leicht eine Verteidigungshaltung.

Feedback (= Empfangen)

Passives Kommunizieren als Feedback geben bedeutet: Du reagierst auf das Verhalten des anderen und gibst eine positive Rückmeldung über das, was dir gefällt:

Das ist auch die perfekte Reaktion auf ein Kompliment. Statt es zu erwidern, teile einfach mit, was es mit dir macht: „Es berührt mich wirklich, dass du mich dafür lobst. Ich hatte gedacht, das sieht niemand."

Eine weitere Option: Feedback aktiv einholen. Fragen wie „Sag mal, was schätzt du eigentlich an mir?" machen dich ein bisschen verletzlich – aber du wirst überrascht sein, wie oft das Feedback positiv ausfällt.

Bestätigung (= Erlauben)

Bestätigung ist der passive und reaktive Quadrant: Du reagierst auf ein Verhalten und unterstellst dem anderen positive Charaktereigenschaften. Nach Bestätigung zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche – es ist ein ganz normales menschliches Bedürfnis.

Besonders in Konflikten ist es kommunikativ geschickter, nach der Sache zu fragen, für die sich der andere Bestätigung wünscht:

Konflikte sind Situationen, in denen zwei Menschen sich im „Nehmen"-Quadranten begegnen – beide versuchen mit emotionaler Ladung ein unerfülltes Bedürfnis auszudrücken, nur nicht besonders geschickt. Die deeskalierende Antwort auf ein eskaliertes „Du Arschloch" wäre nicht „selber Arschloch" – sondern: „Wofür hättest du gerade gern Anerkennung?"

Zusammenfassung

Smalltalk ist ein Gespräch über dich und den anderen, in dem du Informationen sendest oder einholst. Thema sind immer Persönlichkeit, Werte, Wünsche, Bedürfnisse und Ziele – alles, was man von außen nicht sieht.

Keiner der vier Quadranten ist besser als der andere. Dieses Modell gibt dir eine Möglichkeit, in stockenden Gesprächen oder Konflikten eine alternative Strategie zu finden. Wenn dein Gegenüber nicht gern über sich redet, rede über dich. Wenn es dir schwerfällt, proaktiv etwas beizutragen, beziehe dich auf das Verhalten des anderen oder stelle Fragen.

Eine Beziehung gelingt dann besonders gut, wenn sie diagonal verläuft – wenn also einer gibt und der andere empfängt. Je mehr Interaktionen dieser Art stattfinden, desto mehr Vertrauen und Sympathie wächst. Das Wort „Beziehung" kommt daher, dass man sich auf den anderen bezieht.

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