Wie kann man sich vor toxischen Beziehungen schützen?
Welchen Einfluss es auf dein Leben hat, sich vor Unglück in Beziehungen zu fürchten
Wer sich mit der Frage beschäftigt, wie eine gute Beziehung funktioniert, wird schnell konfrontiert mit einer Flut von mehr oder weniger hilfreichen Tipps: „Folge deinem Herzen." „Lerne deine Grenzen zu kommunizieren." „Übernimm Verantwortung für deinen Partner." Alles hilfreiche Gedanken – doch wie immer steckt der Teufel im Detail.
Die selbsterfüllende Prophezeiung
Wenn es nicht so leicht ist zu definieren, wie man eine gute Beziehung führt, liegt der Gedanke nahe, den Spieß umzudrehen: Wie führt man eine unglückliche Beziehung? Doch aus dem NLP weiß ich: Energie folgt der Aufmerksamkeit. Worüber du nachdenkst, darauf achtest du – und worauf du achtest, darüber denkst du noch mehr nach. Und plötzlich siehst du überall Schreckgespenster.
Was würde mit deiner Wahrnehmung passieren, wenn du einen großen Teil deiner Energie darauf richtest, woran man eine schlechte Beziehung erkennt? Vermutlich dasselbe: Was auch immer du als Merkmal einer toxischen Beziehung identifizierst – Streit, Narzissmus, fehlende Empathie – früher oder später wirst du Hinweise, und dann sogar vermeintliche Beweise finden, dass dich dieser Kram auch in deinen Beziehungen plagt. Plötzlich ist das hilfsbereite Angebot deines Nachbarn nur ein Symptom seiner narzisstischen Selbstgefälligkeit.
Natürlich kann das alles so sein. Oder ganz anders. Die Wahrheit ist: In die Köpfe anderer Menschen kannst du nicht hereinsehen. Wenn du deine Gedanken aber auf toxische Beziehungsmuster lenkst, steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass du diese Muster auch in deinen Beziehungen unterstellst. Und welchen Effekt hat das auf die Beziehung? Dein Gegenüber geht in Widerstand. Und dieser Widerstand wird als Bestätigung der Unterstellung gedeutet. Aus dieser Nummer kommt ihr beide kaum noch heraus.
Vorannahmen in Beziehungen
Will ich damit sagen, dass es so etwas wie toxische Beziehungen nicht gibt? Sicher nicht. Ich bin mir voll im Klaren, dass es Beziehungsdynamiken gibt, die Menschen buchstäblich zerstören können. Daher möchte ich dir eine andere Perspektive anbieten – ein Re-Framing, wie man es im NLP bezeichnet.
Ich glaube, wir Menschen sind nicht entweder gut oder böse, gesund oder krank, toxisch oder heilig. Wie wir sind, ist immer ein Spektrum – und welche Seite aktiv ist, hängt wesentlich davon ab, was andere in uns sehen. Unterstellt man uns eine böse Absicht, sinkt die Motivation, dem Untersteller etwas Gutes zu wollen. Unterstellt man uns Positives, sind wir meist viel eher gewillt, diese Unterstellung zu bestätigen.
Der Weg aus dem „toxischen" Spiel führt also meiner Meinung nach nicht vorbei an einem positiven, optimistischen Menschenbild.
Optimismus
Mit Optimismus meine ich nicht, dass man davon ausgeht, der Partner werde sich schon irgendwann so benehmen, wie man es sich wünscht. Sondern dass man davon ausgeht, dass dieser Mensch sich bereits jetzt optimal benimmt – dass er mit all seinen Fehlern, Schwächen und Macken genau perfekt ist wie er ist. Und dass jeder Versuch, ihn zu verbessern, sowohl ihm als auch dir als auch eurer Beziehung schaden würde.
Gottfried Wilhelm Leibniz, ein tief gläubiger Philosoph, schloss daraus: Wenn Gott – dem man Allmacht und Vollkommenheit nachsagt – die Welt erschaffen hat, muss sie die beste aller möglichen sein. Der Eindruck, die Welt sei weniger als perfekt, sei ein Fehler des Eindrucks, nicht der Welt. Um es mit den Worten von Vera F. Birkenbihl zu sagen: „Wenn die Welt wieder einmal beschissen aussieht, ist die Scheiße meistens im Filter und nicht in der Welt."
Dieser optimistische Blick ist vermutlich genauso wenig „die Wahrheit" wie der Blick, der in jedem Menschen ein potenzielles Monster sieht. Aber er sorgt dafür, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, positive Beziehungen zu führen – Beziehungen, in denen man sich gegenseitig stärkt statt abwertet. Beziehungen, die Wachstum fördern statt Leid verursachen.