Über Männer und Frauen
In einer klassischen Männer-Frauen-Beziehung kommt es aufgrund der Unterschiedlichkeit der Geschlechter immer wieder zu Missverständnissen und Konflikten. Männer und Frauen sind gleichwertig, jedoch keinesfalls gleichartig. Aus unterschiedlicher Biologie, Psychologie und Sozialisation ergeben sich unterschiedliche Bedürfnisse, die zu Streitigkeiten bis hin zur Trennung führen können, wenn sie nicht beachtet werden.
Was Männer über Frauen nicht verstehen
Das am häufigsten unerfüllte Bedürfnis von Frauen in Beziehungen ist das Bedürfnis nach Sicherheit. Die durchschnittliche Frau empfindet deutlich mehr und häufiger Angst und andere negative Gefühle als der durchschnittliche Mann. Das spiegelt sich auch in psychologischen Studien wider: Frauen erreichen auf der Neurotizismus-Skala des Big-Five-Modells durchschnittlich ein Ergebnis im 60. Perzentil – sie empfinden also im Schnitt mehr Angst als 60 % der Gesamtbevölkerung.
Dieses erhöhte Sicherheitsbedürfnis ergibt biologisch gesehen viel Sinn. Einer Frau tut man daher in den meisten Fällen einen Gefallen, wenn man ihr ein Gefühl von Schutz und Sicherheit vermittelt: wenn man ihr das Gefühl gibt, OK zu sein, sich um ihre Bedürfnisse und Gefühle kümmert und ihr glaubhaft vermittelt, auch in schwierigen Zeiten da zu sein.
Was du als Mann tun kannst
Sicherheit entsteht, wenn Versprechen eingehalten werden. Wenn du ankündigst, den Müll herunterzubringen, und es dann auch tust. Wenn du sagst, du stellst dich im Streit mit der Schwiegermutter auf ihre Seite, und es auch tust.
Mach dir klar: Du tust der Frau keinen Gefallen, wenn du – um sie zu beruhigen – das Blaue vom Himmel versprichst, obwohl du nicht die Kraft oder Motivation hast, es einzuhalten. Deine Partnerin sollte ein realistisches Bild davon haben, was sie von dir erwarten kann. Wenn etwas dagegen steht, erkläre ihr deine Widerstände und Einwände. Das ist noch immer besser für ihr Sicherheitsgefühl als eine Enttäuschung.
Was Frauen über Männer nicht verstehen
Ein von Frauen häufig unterschätztes Problem von Männern ist, dass ihre Männlichkeit von der Gesellschaft infrage gestellt wird. Das Selbstbild „ich bin ein Mann" ist bei Männern wesentlich fragiler als das Selbstbild einer Frau. Viele Männer versuchen, ihre Männlichkeit durch Durchsetzungsvermögen, Erfolg, Geld oder Führung zu beweisen.
All diesen Versuchen ist gemein, dass ein Gefühl von Männlichkeit entsteht, wenn Ziele gegen Widerstände umgesetzt werden. Das am häufigsten unerfüllte Bedürfnis von Männern ist das Gefühl, gebraucht zu werden. Da die Welt oft nur unkonkret offenbart, auf welche Art sie gebraucht werden, neigen viele Männer dazu, ihre Energie unbeständig auf wechselnde Ziele zu richten – und dabei am Ende nichts wirklich zu erreichen.
Frauen sind darüber hinaus im Schnitt empathischer: Sie erreichen auf der Verträglichkeits-Skala des Big-Five-Modells durchschnittlich ein Ergebnis im 61,5. Perzentil. Für Männer bedeutet das oft eine Schwierigkeit: Sie können aus subtilen Signalen kaum konkrete Handlungen ableiten.
Was du als Frau tun kannst
Wenn du eine gute Beziehung mit einem Mann führen möchtest, unterstütze ihn darin, seine Ziele und Träume zu erreichen. Erinnere ihn daran, wofür sein Herz noch vor einigen Wochen gebrannt hat. Mach ihm keine Vorwürfe, wenn er scheitert, sondern ermutige ihn, am Ball zu bleiben.
Kommuniziere deine Wünsche und Bedürfnisse in möglichst konkreten Handlungsanweisungen. Frage dich: „Könnte ein unbegabter Schauspieler diese Anweisung umsetzen?"
- Anstatt „Bitte höre mir zu" → „Bitte unterbrich mich nicht sofort, wenn ich dir von einem Problem erzähle."
- Anstatt „Bitte krieg dein Leben auf die Reihe" → „Bitte nimm diesen Job an, von dem du so lange geschwärmt hast."
- Anstatt „Bitte nimm mich wichtiger" → „Bitte organisiere deine Termine so, dass wir jede Woche ein oder zwei Abende zu zweit verbringen."
Mach ihm klar, dass es eine großartige Aufgabe ist, für deine Sicherheit zu sorgen – und erinnere ihn immer wieder an die Momente, in denen er das bereits getan hat. Diese Bestätigung verstärkt sich und sorgt auch in Zukunft dafür, dass er sich engagiert.