Weihnachts-Special: 3-faches Gift und Gold für mehr Liebe und Verbindung an den Feiertagen
Weihnachten sollte eigentlich das Fest der Liebe sein – und doch wissen viele, dass die Feiertage auch gemischte Gefühle auslösen können. Wenn Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten plötzlich mehrere Tage aufeinanderhocken, sind in vielen Familien Konflikte fast unvermeidlich.
In dieser Folge stelle ich dir ein Modell vor, das ich großartig finde: das 3-fache Gift und das 3-fache Gold von Michael Lukas Möller. Es zeigt, welche drei Verhaltensweisen die Liebe und Verbindung gefährden – und welche drei sie stärken. Und das Beste daran: Es funktioniert nicht nur in romantischen Beziehungen, sondern auch mit Menschen, die du vielleicht aus gutem Grund nur einmal im Jahr triffst.
Das 3-fache Gift und das 3-fache Gold – ein Überblick
Das 3-fache Gift:
- Einsame Entscheidungen
- Projektion
- Stille Erwartungen
Das 3-fache Gold:
- Selbstoffenbarungen
- Positives Feedback
- Verhaltenswünsche
Einsame Entscheidungen
Einsame Entscheidungen finden sich nicht nur in Sätzen wie „Schatz, ich hab schonmal den Urlaub für uns gebucht." – Es kann auch ein „Ich hab gerade mit deinen Eltern telefoniert und sie für Heiligabend zu uns eingeladen" sein.
Einsame Entscheidungen sind in vielen Fällen nicht einmal direkt böse gemeint. Und doch setzen sie in vielen Fällen den Timer für eine tickende Zeitbombe. Wenn ich ohne den anderen entscheide, mag sich das für mich nach Effizienz und Fürsorge anfühlen. Für den anderen kann es aber leicht als Entwertung, Überrumpelung und Kontrollverlust ankommen.
Einsame Entscheidungen bauen einen sogenannten Doublebind auf: Wenn dir gefällt, was ich entscheide, stehst du hinterher in meiner Schuld. Wenn dir aber nicht gefällt, was ich entscheide, ist es ein Leichtes, dich als undankbar darzustellen. In beiden Fällen entsteht ein Machtgefälle zu deinen Ungunsten.
Projektion
Bei der Projektion verrutschen Menschen in ihrer Wahrnehmung. Sie reden nicht mit einem Menschen, sondern mit einem selbstgebastelten Avatar aus Erinnerungen, Ängsten und halbgaren Interpretationen. Angefangen bei einem „Sei doch nicht so empfindlich" bis zu einem „Du bist genau wie deine Mutter".
Projektion nimmt einen vereinzelten Moment und generalisiert ihn zur Identität. Sie macht einen Screenshot aus der Vergangenheit und überpinselt damit die komplette Zeitlinie. Projektion macht Verbindung und Liebe nicht nur unmöglich, sondern im Grunde überflüssig: Wenn ich sowieso schon weiß, wie du bist – warum muss ich dann noch nachfragen?
Stille Erwartungen
Stille Erwartungen umfassen alles von dem klassischen „wenn du mich liebst, weißt du schon, was ich brauche" bis zur unausgesprochenen Selbstverständlichkeit, wie Weihnachten zu feiern sei. Die Geschenke an Weihnachten sind ein wahres Fest der stillen Erwartungen.
An stillen Erwartungen ist beides toxisch: Sowohl die Stille als auch die Erwartung. Stille Erwartungen wollen eine Verbindung ohne Risiko schaffen – ohne Risiko, sich verletzlich zu machen, ohne das Risiko der Enttäuschung.
Selbstoffenbarung
Es geht darum, ein Fenster in die eigene Seele zu schaffen, in das der andere hineinblicken kann. Du versuchst dem anderen verständlich zu machen, wie du dich fühlst, was du dir wünschst und was deine Bedürfnisse sind. Du sprichst aus, was dich freut, was dich verletzt und was dir wichtig ist.
Selbstoffenbarungen machen aus einem „Du hörst mir nie zu" ein „Wenn ich dir etwas erzähle und du schaust dabei auf dein Handy, fühle ich mich unwichtig und verliere die Lust, weiter zu erzählen." Sie machen aus einem „Du arbeitest zu viel" ein „Ich vermisse dich."
Positives Feedback
Wenn du jemandem sagst: „Hey, das hast du toll gemacht. Und ich hab das gesehen." – wirst du die Motivation, dass der andere das in Zukunft wieder so macht, deutlich steigern. Mit positivem Feedback stillst du den Hunger danach, wahrgenommen zu werden, wichtig zu sein und etwas zu bewirken.
So kannst du auch ein „Danke" aufwerten zu einem „Als du mir vorhin Kaffee gebracht hast, habe ich mich richtig umsorgt gefühlt." Je spezifischer du anderen rückmelden kannst, was sie Positives für dich getan haben, desto besser.
Verhaltenswünsche
Verhaltenswünsche sind keine Appelle, keine Druckmittel und keine Erziehungsversuche. Sie sind eine Bedienungsanleitung für „so kannst du mich behandeln, damit es mir gut geht." Ein Verhaltenswunsch wäre zum Beispiel: „Könntest du ein bisschen leiser sprechen?" Kombiniert mit einer Selbstoffenbarung wie „Dein lauter Tonfall macht mir ein bisschen Angst" erhöhst du sogar noch weiter die Wahrscheinlichkeit, dass der andere deiner Bitte nachkommt.
Und der Unterschied zwischen einem Wunsch und einer Forderung? Marshal Rosenberg hat einmal gesagt: Der Unterschied besteht in deiner Reaktion auf ein „Nein".
Sei nachsichtig
Wenn Menschen anfangen, ihre Kommunikation bewusst zu verändern, gestatte ihnen, dass sie anfangs damit richtig schlecht sind. Jeder Schritt auf einen Kommunikationsstil hin, der zu einem friedlichen, liebevollen Weihnachtsfest führt, darf belohnt werden – auch wenn er von dir selbst kommt.
Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel ein kleines bisschen etwas dazu beitragen konnte, dass deine anstehenden Feiertage noch mehr zu einem Fest der Liebe, der Verbindung und der guten Gespräche werden.